Scheidungsturm

2 D, 2 H / Dekoration: 2
Uraufführung frei

„Scheidungsturm, ein alter Festungsturm in der Nähe des Züricher Sees, der im Mittelalter und noch über dasselbe hinaus Ehepaaren, die den Wunsch äußerten, auseinander zu gehen, für einige Wochen als Zwangsaufenthalt angewiesen wurde. Die scheidungslustigen Paare wurden in ein Zimmer eingesperrt, in dem sich nur ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl befand. Auch Löffel, Messer, Gabel, Teller waren nur in einem Exemplar vorhanden. Der Sinn des Brauches liegt auf der Hand: ein Erziehungsversuch zu Rücksichtnahme und höflichem Entgegenkommen. Oft hatte er den Erfolg, daß die verfeindeten Gatten versöhnt den Turm verließen, im anderen Falle wurde die Scheidung ohne weiteres ausgesprochen.“ (Aus: Bilder-Lexikon Kulturgeschichte. Wien, Leipzig: Verlag für Kulturforschung 1928)

Ein einsamer Turm als Kampfschauplatz tragikomischer Liebesverstrickungen. Verzweifelte Hoffnungen, fatale Täuschungen und Selbsttäuschungen und die Gespenster ihrer Vergangenheit holen Agnes und Robert ein, als sie in einen Scheidungsturm fahren, wo sie sich in aller Ruhe über die Modalitäten ihrer Scheidung austauschen wollen. Eingesperrt in ein kleines Zimmer ohne jeden Komfort sollen sie sich mit Höflichkeit und Respekt begegnen, um zu verhindern, dass aus ihrer Scheidung eine Schlammschlacht wird – so das therapeutische Konzept des Scheidungsturms. Theorie und Praxis klaffen weit auseinander: Agnes und Robert fallen in jeder Hinsicht über einander her. Dabei werden sie unbemerkt von Henk und Natalie beobachtet, den Betreibern des Scheidungsturms. Auch ihre Ehe ist nur noch ein Rettungsanker längst verblichener Hoffnungen. Natalie entpuppt sich zudem als Roberts ehemalige Geliebte, eine von vielen, aber die Einzige, die ihm wirklich etwas bedeutet hat. Zwei Paare im Reißwolf der Liebe: Selbst die wechselnden Konstellationen der Paare führen nur für kurze Momente zu einer scheinbar erlösenden Neuorientierung. Auch dieses Stück findet keine Antwort auf die Frage aller Fragen: What is love? Außer vielleicht: Love is just a system for getting someone to call you Darling after sex. Aber dafür übernimmt Katrin Ammon keine Verantwortung, denn das stammt von Julian Barnes.

Factsheet zum Scheidungsturm

Ansichtsexemplar für Theater